Dunkler Himmel und Lichtverschmutzung
Warum die Sterne nicht verschwunden sind – und wir sie trotzdem immer seltener sehen
Ein Himmel voller Sterne
Stell dir vor, du stehst an einem warmen Sommerabend draußen, blickst nach oben und entdeckst über dir einen wunderschönen Sternenhimmel, an dem Tausende kleine Lichtpunkte funkeln. Vielleicht erkennst du den Großen Wagen, entdeckst einen besonders hellen Planeten oder beobachtest sogar eine Sternschnuppe, die für einen kurzen Augenblick eine leuchtende Spur über den Himmel zieht. Wenn du großes Glück hast und dich an einem besonders dunklen Ort befindest, kannst du sogar unsere Milchstraße erkennen, die sich wie ein geheimnisvolles, schwach leuchtendes Band über den Himmel erstreckt.
Genau solche Nächte lieben Astromaus und Lou, denn für die beiden gibt es kaum etwas Schöneres, als gemeinsam in ihrer Sternwarte zu sitzen und die unzähligen Wunder des Universums zu entdecken.
Doch leider ist dieser wunderschöne Anblick längst nicht mehr überall selbstverständlich. Während unsere Vorfahren in klaren Nächten einen Himmel voller Sterne beobachten konnten, sehen viele Menschen heute nur noch wenige besonders helle Sterne, obwohl sich am Universum selbst überhaupt nichts verändert hat.
Aber wo sind all die anderen Sterne geblieben?
Die Antwort ist ebenso einfach wie erstaunlich: Die Sterne sind noch immer da, doch wir haben unsere Nächte so hell gemacht, dass wir viele von ihnen nicht mehr erkennen können.
Was ist eigentlich Lichtverschmutzung?
Unter Lichtverschmutzung verstehen Wissenschaftler die unerwünschte oder übermäßige Aufhellung der natürlichen Nacht durch künstliche Lichtquellen. Dazu gehören beispielsweise Straßenlaternen, beleuchtete Gebäude, Werbetafeln, Sportanlagen, Parkplätze und natürlich auch all die vielen Lampen, die nachts in unseren Gärten und an unseren Häusern leuchten.
Eigentlich wurde die elektrische Beleuchtung erfunden, um unser Leben einfacher und sicherer zu machen, denn schließlich ist es angenehm, auch nach Sonnenuntergang noch etwas erkennen zu können. Problematisch wird es allerdings, wenn Licht dorthin gelangt, wo es überhaupt nicht benötigt wird, wenn Lampen unnötig hell sind oder wenn große Flächen die ganze Nacht beleuchtet bleiben.
Ein Teil dieses künstlichen Lichts strahlt direkt nach oben, während ein anderer Teil vom Boden, von Hauswänden oder anderen Oberflächen in Richtung Himmel zurückgeworfen wird. Dort wird es an Luftmolekülen und winzigen Schwebeteilchen in der Atmosphäre gestreut, sodass über unseren Städten und Dörfern eine große, oft weithin sichtbare Lichtglocke entsteht.
Je heller diese Lichtglocke ist, desto schwieriger wird es, die schwächeren Sterne am Himmel zu erkennen.
Warum sind in den Bergen viel mehr Sterne zu sehen?
Vielleicht hast du selbst schon einmal bemerkt, dass der Sternenhimmel während eines Urlaubs in den Bergen oder auf dem Land völlig anders aussieht als mitten in einer großen Stadt.
Auch Astromaus und Lou machten bei ihrem Sommerurlaub in den Bergen eine erstaunliche Entdeckung, denn obwohl sie bereits viele Jahre den Himmel beobachtet hatten, waren sie von der gewaltigen Menge sichtbarer Sterne vollkommen begeistert.
In ihrer heimischen Sternwarte konnten sie zwar zahlreiche Sternbilder erkennen, doch in den Bergen schienen plötzlich so viele zusätzliche Sterne aufzutauchen, dass Astromaus sogar Schwierigkeiten hatte, einige ihrer vertrauten Sternbilder auf Anhieb wiederzufinden.
Das lag natürlich nicht daran, dass die Sterne in den Bergen näher an die Erde herangerückt waren, sondern ausschließlich daran, dass es dort wesentlich weniger störendes künstliches Licht gab. Unter einem wirklich dunklen Himmel können unsere Augen auch schwächere Lichtpunkte wahrnehmen, die in einer hell erleuchteten Stadt vom künstlichen Himmelsleuchten überstrahlt werden.
Besonders eindrucksvoll ist unter solchen Bedingungen die Milchstraße. Dieses riesige Sternensystem, zu dem auch unsere Sonne gehört, enthält viele Milliarden Sterne und erscheint uns von der Erde aus als ein schwach leuchtendes Band am Himmel. In den meisten großen Städten ist dieses Band mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen, während es an sehr dunklen Orten zu den schönsten Erscheinungen des nächtlichen Himmels gehört.
Die Nacht ist auch für die Tiere wichtig
Lichtverschmutzung ist allerdings nicht nur ein Problem für begeisterte Sternengucker, sondern beeinflusst auch das Leben zahlreicher Tiere, die auf den natürlichen Wechsel zwischen Tag und Nacht angewiesen sind.
Viele Insekten werden beispielsweise von künstlichen Lichtquellen angezogen und verbringen manchmal große Teile der Nacht damit, immer wieder um eine Lampe herumzufliegen. Dabei verlieren sie wertvolle Energie, die sie eigentlich für ihre Nahrungssuche, Fortpflanzung oder andere wichtige Aufgaben benötigen würden.
Auch Zugvögel können durch starke künstliche Beleuchtung beeinträchtigt werden, denn zahlreiche Vogelarten sind nachts unterwegs und nutzen bei ihrer Orientierung unter anderem den Sternenhimmel. Helle Gebäude und große Lichtglocken können ihre Flugrouten verändern und in manchen Fällen sogar gefährliche Zusammenstöße verursachen.
Fledermäuse, nachtaktive Säugetiere und viele andere Lebewesen sind ebenfalls an die natürlichen Lichtverhältnisse angepasst. Manche benötigen dunkle Bereiche, um ungestört nach Nahrung zu suchen, während andere künstlich beleuchtete Lebensräume meiden.
Selbst Pflanzen können durch dauerhafte nächtliche Beleuchtung beeinflusst werden, weil Licht ein wichtiger Umweltreiz ist, der unter anderem ihren jahreszeitlichen Entwicklungsrhythmus mitsteuert.
Die natürliche Dunkelheit ist deshalb keineswegs ein leerer oder unbedeutender Zustand, sondern ein wertvoller Bestandteil unserer Umwelt.
Brauchen auch Menschen die Dunkelheit?
Unser eigener Körper besitzt eine innere Uhr, die sich unter anderem am natürlichen Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit orientiert. Wenn es abends dunkel wird, bereitet sich unser Organismus normalerweise langsam auf die Nacht vor, während das Tageslicht am Morgen dabei hilft, wieder wach und aktiv zu werden.
Zu viel künstliches Licht am späten Abend oder während der Nacht kann diesen natürlichen Rhythmus stören, insbesondere wenn helles Licht direkt in Schlafräume fällt oder wir uns unmittelbar vor dem Schlafengehen sehr hellen Lichtquellen aussetzen.
Natürlich müssen wir deshalb nicht vollständig auf elektrische Beleuchtung verzichten, denn Licht ist ein wichtiger Bestandteil unseres modernen Lebens. Entscheidend ist vielmehr, es bewusst und sinnvoll einzusetzen, sodass wir dort genügend Helligkeit haben, wo sie tatsächlich benötigt wird, und gleichzeitig unnötige Beleuchtung vermeiden.
Können wir die Lichtverschmutzung verringern?
Die gute Nachricht ist, dass wir selbst eine Menge dazu beitragen können, unsere Nächte wieder dunkler zu machen, ohne deshalb auf Sicherheit und notwendige Beleuchtung verzichten zu müssen.
Besonders sinnvoll ist es, Außenlampen so auszurichten, dass sie ausschließlich den Boden oder den tatsächlich benötigten Bereich beleuchten, anstatt ihr Licht ungehindert in den Himmel oder in benachbarte Grundstücke abzugeben.
Auch Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren können helfen, denn eine Garten- oder Eingangsbeleuchtung muss meistens nicht die gesamte Nacht eingeschaltet bleiben. Darüber hinaus sollten Lampen nicht heller sein als notwendig, und warmweißes Licht mit möglichst geringem Blauanteil ist bei geeigneten Anwendungen häufig günstiger für die nächtliche Umwelt als sehr kaltes, bläulich wirkendes Licht.
Schon kleine Veränderungen können einen Unterschied machen, besonders wenn viele Menschen gemeinsam darauf achten, unnötige Beleuchtung zu vermeiden.
Ein dunkler Himmel bedeutet also nicht, dass wir auf Licht verzichten müssen, sondern dass wir lernen, es besser einzusetzen.
Eine kleine Forschungsaufgabe für junge Sternengucker
Astromaus und Lou haben eine interessante Idee für alle Kinder, die selbst herausfinden möchten, wie stark der Nachthimmel durch künstliches Licht beeinflusst wird.
Suche gemeinsam mit deinen Eltern an einem klaren Abend einen sicheren Platz, von dem aus du möglichst viel Himmel sehen kannst, und versuche dort ein bekanntes Sternbild wie den Großen Wagen zu finden. Beobachte anschließend, wie viele schwächere Sterne du in seiner Umgebung entdecken kannst, und halte deine Beobachtungen in einem kleinen astronomischen Notizbuch fest.
Wenn du später an einem anderen, möglichst dunkleren Ort denselben Himmelsbereich untersuchst, wirst du möglicherweise feststellen, dass dort wesentlich mehr Sterne sichtbar sind. Wichtig ist dabei, möglichst ähnliche Beobachtungsbedingungen zu wählen, denn auch Mondlicht, Wolken, Dunst und die Jahreszeit beeinflussen, was wir am Himmel erkennen können.
Eine solche Beobachtung zeigt auf besonders anschauliche Weise, wie sehr die Qualität unseres Nachthimmels von unserer Umgebung abhängt.
Vielleicht entsteht daraus sogar dein eigenes kleines Forschungsprojekt!
Bewahren wir gemeinsam den Sternenhimmel
Für Astromaus und Lou ist der nächtliche Himmel viel mehr als eine dunkle Fläche über ihren Köpfen, denn hinter jedem einzelnen Lichtpunkt verbirgt sich eine faszinierende Geschichte über das Universum, über ferne Sonnen, geheimnisvolle Planeten und gewaltige Entfernungen, die wir uns kaum vorstellen können.
Besonders schön finden die beiden den Gedanken, dass die Menschen schon seit Jahrtausenden zu denselben Sternen hinaufschauen und dabei ähnliche Fragen stellen wie wir heute: Wie groß ist das Universum, was befindet sich zwischen den Sternen und gibt es vielleicht irgendwo andere Welten, auf denen Leben entstehen konnte?
Wenn wir unseren Nachthimmel durch unnötige Beleuchtung immer weiter aufhellen, verlieren wir nicht nur einen wunderschönen Anblick, sondern auch einen Teil dieser unmittelbaren Verbindung zum Universum.
Deshalb lohnt es sich, die natürliche Dunkelheit zu bewahren, damit auch zukünftige Generationen die Gelegenheit haben, die Milchstraße zu entdecken, Sternschnuppen zu beobachten und über die unzähligen Wunder des Weltalls zu staunen.
Astromaus hat sich jedenfalls fest vorgenommen, künftig noch genauer darauf zu achten, dass rund um ihre Sternwarte kein unnötiges Licht brennt. Lou unterstützt sie dabei natürlich, denn die beiden wissen längst, dass man gemeinsam auch bei großen Aufgaben viel erreichen kann.
Und wenn Astromaus irgendwann einmal wieder über die Anschaffung eines besonders großen Teleskops nachdenkt, wird Lou sie bestimmt daran erinnern, dass manchmal schon eine einzige ausgeschaltete Lampe dabei helfen kann, mehr Sterne zu entdecken.
Denn die Sterne sind nicht verschwunden. Wir müssen ihnen nur wieder die Dunkelheit schenken, in der wir sie sehen können.
Astromaus & Lou – Gemeinsam entdecken und schützen wir die Wunder unseres Universums.
