Der Besuch im Planetarium

Astromaus & Lou – Der Besuch im Planetarium

Es war einer dieser gemütlichen Samstagnachmittage, an denen draußen der Regen gegen die Fensterscheiben trommelte, die Wolken so dicht über den Dächern hingen, dass selbst die Sonne Schwierigkeiten hatte, ihren Arbeitsplatz zu finden, und Astromaus zum ungefähr siebzehnten Mal innerhalb einer Stunde einen enttäuschten Blick in Richtung ihrer geliebten Sternwarte warf. Seit mehreren Tagen hatte sich der Himmel nicht mehr richtig aufgeklart, und obwohl Astromaus inzwischen beinahe jede Schraube ihrer Teleskopmontierung kannte, sämtliche Okulare geputzt und sogar die Kabel nach Länge und Farbe sortiert hatte, fehlte ihr etwas ganz Entscheidendes: die Sterne. Lou hingegen genoss das schlechte Wetter auf seine ganz eigene Weise, denn er hatte sich mit einem interessanten Astronomiebuch auf dem Sofa gemütlich gemacht und betrachtete gerade eine wunderschöne Aufnahme des Saturn, während Astromaus darüber nachdachte, ob man nicht vielleicht doch irgendwo einen funktionierenden Wolkenschieber kaufen könnte. Ihre bisherigen Versuche, einen solchen Apparat zu entwickeln, waren bekanntlich nicht besonders erfolgreich gewesen, zumal Lou bis heute die Geschichte mit dem umgebauten Ventilator nicht vergessen hatte, der zwar keine einzige Wolke vom Himmel vertrieben, dafür aber sämtliche Sternkarten quer durch das Wohnzimmer geblasen hatte.

Gerade als Astromaus ernsthaft überlegte, ob sie nicht wenigstens das Wohnzimmer in eine kleine Sternwarte verwandeln könnte, entdeckte Lou beim Umblättern eine große Fotografie, die seine Aufmerksamkeit weckte. Darauf war ein halbkugelförmiger Raum zu sehen, in dem zahlreiche Menschen bequem in ihren Sitzen lagen und einen wunderschönen Sternenhimmel betrachteten, obwohl sie sich offensichtlich mitten in einem Gebäude befanden. Über ihren Köpfen leuchteten Tausende Sterne, die Milchstraße zog sich in einem prächtigen Bogen über die gesamte Kuppel, und sogar die Planeten waren zu erkennen. Astromaus betrachtete die Abbildung zunächst etwas misstrauisch, denn nach allem, was sie über Astronomie wusste, benötigte man für die Beobachtung der Sterne normalerweise einen möglichst dunklen Himmel und nicht unbedingt ein großes Haus mit gepolsterten Sesseln. Als Lou ihr erklärte, dass es sich um ein Planetarium handelte, wurde sie allerdings sofort neugierig, denn von solchen Einrichtungen hatte sie schon viel gehört, aber noch niemals selbst eine Vorstellung besucht.

Ein Planetarium war schließlich etwas ganz anderes als ihre eigene Sternwarte, in der das Licht der wirklichen Sterne und Planeten durch ein Teleskop gesammelt wurde, während in einem Planetarium ein künstlicher Sternenhimmel mithilfe besonderer Projektoren an die Innenseite einer großen Kuppel geworfen wurde. Dort konnte man den Himmel über verschiedenen Orten der Erde betrachten, die Bewegungen der Himmelskörper verfolgen und sogar eine Reise durch das Sonnensystem unternehmen, ohne auch nur einen einzigen Meter mit einem Raumschiff zurückzulegen. Besonders faszinierend fand Astromaus die Vorstellung, dass man auf diese Weise selbst bei strömendem Regen einen vollkommen wolkenlosen Sternenhimmel erleben konnte, denn allein diese Möglichkeit erschien ihr wie eine der größten technischen Errungenschaften seit der Erfindung des Teleskops. Dass man in einem Planetarium außerdem die Zeit beschleunigen, Planeten aus der Nähe betrachten und ganze Galaxien durchqueren konnte, machte die Angelegenheit endgültig unwiderstehlich, und noch bevor Lou die nächste Seite seines Buches aufschlagen konnte, hatte Astromaus bereits beschlossen, dass ein Besuch im Planetarium unbedingt auf den Familienkalender gehörte.

Die Vorbereitungen begannen selbstverständlich auf die für Astromaus typische Weise, nämlich mit einer Liste, die zunächst nur aus wenigen Punkten bestehen sollte und bereits nach einer Viertelstunde eine beachtliche Länge erreicht hatte. Da sie nicht genau wusste, was man für einen Planetariumsbesuch benötigte, notierte sie vorsichtshalber eine Sternkarte, einen kleinen Feldstecher, ihr astronomisches Notizbuch, mehrere Bleistifte, eine Rotlichttaschenlampe, einen Kompass und natürlich eine Schachtel ihrer Lieblingskekse, denn bei einer Reise durch das Universum konnte man schließlich nie wissen, wann die nächste Gelegenheit zu einer kleinen Stärkung kommen würde. Lou betrachtete die sorgfältig zusammengestellte Ausrüstung und versuchte sich vorzustellen, wie Astromaus mit einem vollgepackten Rucksack zwischen den anderen Besuchern sitzen würde, während über ihr ein künstlicher Sternenhimmel erstrahlte. Besonders der Feldstecher erschien ihm etwas übertrieben, denn die Sterne eines Planetariums würden durch eine Projektion erzeugt und konnten deshalb beim Blick durch ein Fernglas keine zusätzlichen astronomischen Einzelheiten offenbaren, was Astromaus nach kurzem Nachdenken zwar einsah, aber trotzdem nicht davon abhielt, das gute Stück für alle Fälle zunächst auf dem Packtisch liegen zu lassen.

Am nächsten Morgen war Astromaus ungewöhnlich früh auf den Beinen, was Lou zunächst ein wenig beunruhigte, weil seine Freundin normalerweise nur dann freiwillig vor dem Frühstück aufstand, wenn entweder eine besonders interessante astronomische Erscheinung bevorstand oder irgendwo ein Gerät eingetroffen war, dessen Verpackung dringend geöffnet werden musste. Diesmal hatte sie allerdings einen anderen Grund, denn die Familie hatte Eintrittskarten für eine Vorstellung im Planetarium reserviert, und Astromaus wollte auf keinen Fall riskieren, auch nur eine einzige Minute der angekündigten Reise durch das Universum zu verpassen. Sie erschien deshalb bereits vollständig angezogen am Frühstückstisch, trug eine rote Freizeitjacke, hatte ihren Rucksack geschultert und kontrollierte zum dritten Mal die Eintrittskarten, während Lou in seinem blauen Pullover ganz gemütlich sein Frühstück beendete. Besonders viel Mühe hatte Astromaus darauf verwendet, ihren kleinen Rucksack so zu packen, dass wirklich alles Wichtige hineinpasste, wobei Lou schließlich darauf bestand, wenigstens den Feldstecher und den Kompass zu Hause zu lassen, weil man sich innerhalb eines Planetariums normalerweise nicht verlaufen konnte und die nächste Galaxie ohnehin nur auf die Kuppel projiziert wurde. Die Kekse durften allerdings mitkommen, nachdem Lou versichert hatte, dass man sie außerhalb des Vorführraums bestimmt an einem geeigneten Ort essen konnte.

Als die Familie schließlich das Planetarium erreichte, war Astromaus bereits beim Aussteigen so aufgeregt, dass sie beinahe vergaß, den Sicherheitsgurt zu lösen, und anschließend mit ihrem Rucksack in einer Geschwindigkeit zum Eingang marschierte, die Lou eher an den Start einer Weltraumrakete als an einen gemütlichen Familienausflug erinnerte. Das Gebäude war beeindruckend, denn über dem Eingangsbereich erhob sich eine große Kuppel, die Astromaus sofort an ihre eigene Sternwarte erinnerte, obwohl diese natürlich wesentlich kleiner war und gerade einmal genügend Platz für ihre Teleskope und einige Besucher bot. Besonders faszinierte sie ein großes Plakat, auf dem eine gewaltige Spiralgalaxie abgebildet war, deren helle Sternenarme sich um ein leuchtendes Zentrum drehten, und während Lou noch die Öffnungszeiten und den Beginn der nächsten Vorstellung überprüfte, versuchte Astromaus bereits herauszufinden, ob das Gebäude möglicherweise über einen geheimen Zugang zu dieser Galaxie verfügte. Dass auf dem Plakat ausdrücklich von einer virtuellen Reise gesprochen wurde, konnte ihre Begeisterung nicht bremsen, denn für Astromaus war eine Reise durch das Universum grundsätzlich eine großartige Angelegenheit, selbst wenn man dabei die Erde nicht verlassen musste.

Im Eingangsbereich wartete bereits die nächste Überraschung, denn dort standen verschiedene Modelle unseres Sonnensystems, große Fotografien ferner Himmelskörper und einige interessante Geräte, mit denen Besucher selbst astronomische Zusammenhänge entdecken konnten. Astromaus blieb sofort vor einem Modell der Planeten stehen und betrachtete die unterschiedlichen Größen und Abstände mit der Aufmerksamkeit einer erfahrenen Wissenschaftlerin, die gerade eine besonders wichtige Entdeckung gemacht hatte. Dabei fiel ihr auf, dass der Jupiter im Verhältnis zur Erde zwar riesig dargestellt war, die Abstände zwischen den Planeten aber gar nicht zu ihren Größen passten, weshalb sie zunächst vermutete, jemand habe beim Aufbau des Modells eine gewaltige Unordnung angerichtet. Lou erklärte ihr daraufhin geduldig, dass man bei solchen Ausstellungen häufig die Größen und Entfernungen unterschiedlich stark verkleinern musste, weil ein wirklich maßstabsgetreues Modell sonst kaum in den Raum passen würde. Wenn die Erde darin nur die Größe einer kleinen Erbse hätte, müsste man bereits viele Meter weitergehen, um die anderen Planeten in ihren richtigen Abständen zu zeigen, und für die äußeren Bereiche des Sonnensystems würde man vermutlich irgendwann vor der Tür stehen. Astromaus fand diesen Gedanken ausgesprochen unterhaltsam und stellte sich vor, wie Besucher mit ihren Eintrittskarten durch die halbe Stadt wanderten, nur um schließlich hinter einem Supermarkt den Neptun zu entdecken.

Besonders viel Freude bereitete ihr eine kleine Station, an der man die Gewichtsverhältnisse auf verschiedenen Himmelskörpern vergleichen konnte, denn dort wurde anschaulich erklärt, warum ein Gegenstand auf dem Mond weniger wiegt als auf der Erde, obwohl seine Masse unverändert bleibt. Astromaus betrachtete die Anzeigen und überlegte, wie angenehm es wohl wäre, wenn man auf dem Mond einen riesigen Rucksack voller Teleskopzubehör tragen könnte, ohne sich anschließend über dessen Gewicht beschweren zu müssen. Lou erinnerte sie allerdings daran, dass ein schwerer Ausrüstungskoffer auf dem Mond zwar eine geringere Gewichtskraft hätte, seine Masse aber dieselbe bliebe und man ihn deshalb nicht einfach beliebig schnell bewegen oder wieder abbremsen könnte. Außerdem war sich Lou ziemlich sicher, dass Astromaus die geringere Schwerkraft ohnehin nur dazu nutzen würde, noch mehr astronomische Geräte mitzunehmen. Diese Überlegung gefiel ihr so gut, dass sie den Gedanken sofort in ihrem Notizbuch festhielt, allerdings vorsichtshalber unter der Überschrift zukünftige Forschungsmöglichkeiten, damit niemand auf die Idee kam, sie plane bereits den nächsten Urlaub auf dem Mond.

Schließlich öffneten sich die Türen zum großen Vorführraum, und Astromaus betrat zum ersten Mal in ihrem Leben ein richtiges Planetarium. Der Anblick war überwältigend, denn anstelle einer gewöhnlichen flachen Zimmerdecke spannte sich eine riesige Kuppel über den gesamten Raum, unter der zahlreiche bequeme Sitze angeordnet waren, die sich teilweise nach hinten neigen ließen. In der Mitte stand ein ungewöhnliches technisches Gerät, das Astromaus zunächst an einen riesigen metallischen Igel erinnerte, dessen Stacheln durch zahlreiche optische Öffnungen und kleine Projektionsköpfe ersetzt worden waren. Lou erklärte ihr, dass es sich um einen klassischen Sternenprojektor handelte, der präzise Lichtpunkte an die Kuppel werfen konnte, während moderne Planetarien häufig zusätzlich digitale Projektionssysteme verwendeten, mit denen sich bewegte Bilder, Planetenoberflächen und ganze Weltraumreisen darstellen ließen. Astromaus betrachtete den Projektor voller Bewunderung und fragte sich insgeheim, ob man ein solches Gerät vielleicht auch in ihrer Sternwarte unterbringen könnte. Allerdings wurde ihr beim Vergleich mit den Abmessungen ihrer eigenen Kuppel schnell klar, dass sie dafür möglicherweise zunächst das Teleskop, die Montierung, den Beobachtungsstuhl und vermutlich auch Lou ausquartieren müsste.

Nachdem alle Besucher ihre Plätze eingenommen hatten, begann sich das Licht langsam zu verdunkeln, und Astromaus rutschte erwartungsvoll in ihrem Sitz hin und her, bis Lou sie mit einem freundlichen Blick daran erinnerte, dass die Vorstellung noch gar nicht begonnen hatte. Zunächst erschien an der Kuppel ein künstlicher Abendhimmel, wie man ihn auch von einer gewöhnlichen Stadt aus beobachten konnte, mit einigen hellen Sternen, schwach erkennbaren Sternbildern und einem Horizont, der durch die Beleuchtung zahlreicher Häuser und Straßen aufgehellt war. Astromaus erkannte die vertraute Himmelsansicht sofort wieder, denn genau diese Lichtverschmutzung erschwerte auch die Beobachtungen von ihrer eigenen Sternwarte aus. Doch dann geschah etwas Erstaunliches, denn die künstlichen Lichter der Stadt wurden in der Projektion nach und nach ausgeschaltet, der Himmel verdunkelte sich immer weiter, und plötzlich erschienen unzählige schwächere Sterne, die zuvor im hellen Hintergrund verschwunden waren. Schließlich spannte sich ein so prächtiger Sternenhimmel über den gesamten Raum, dass Astromaus beinahe vergaß, dass sie sich mitten in einem Gebäude befand, und für einen kurzen Augenblick sogar versuchte, ihre Rotlichttaschenlampe aus dem Rucksack zu holen, um ihre Beobachtungsnotizen anzufertigen.

Die Veränderung des Himmels war so beeindruckend, dass selbst Astromaus, die schon viele Nächte mit ihren Teleskopen verbracht hatte, voller Staunen in die künstlichen Sterne blickte, während Lou ganz entspannt neben ihr saß und die wunderschöne Darstellung genoss. Über ihren Köpfen erschien die Milchstraße als gewaltiges, hell schimmerndes Band, das von dunklen Staubwolken durchzogen war und sich quer durch das Himmelsgewölbe erstreckte. Die Vorführung erklärte, dass dieses Licht von unzähligen fernen Sternen unserer eigenen Galaxie stammte, deren einzelne Lichtpunkte für unsere Augen meistens nicht mehr voneinander zu unterscheiden waren. Astromaus kannte diese Erklärung natürlich längst, doch die Darstellung war so eindrucksvoll, dass sie das Gefühl hatte, mitten unter den Sternen zu sitzen und von allen Seiten von der Milchstraße umgeben zu sein. Besonders angenehm fand sie, dass sie dabei weder frieren noch eine Teleskopmontierung ausrichten musste, und als Lou sich noch ein wenig weiter in seinen bequemen Sitz zurücklehnte, begann Astromaus ernsthaft darüber nachzudenken, ob das Planetarium vielleicht die bequemste Form der Astronomie war, die jemals erfunden worden war.

Im nächsten Teil der Vorstellung begann sich der Sternenhimmel langsam zu bewegen, wobei die Bewegungen zunächst kaum wahrnehmbar waren, dann aber immer schneller wurden, bis innerhalb weniger Minuten eine ganze Nacht vor den Augen der Besucher verging. Die Sterne zogen scheinbar in großen Bögen über den Himmel, manche verschwanden unter dem Horizont, während andere auf der gegenüberliegenden Seite wieder auftauchten, und Astromaus erkannte sofort, dass hier die Drehung der Erde besonders anschaulich dargestellt wurde. Weil unser Planet sich ungefähr einmal innerhalb eines Sterntages um seine eigene Achse dreht, erscheinen die Sterne für einen Beobachter auf der Erde so, als würden sie langsam über den Himmel wandern. Besonders faszinierte Astromaus der Blick in Richtung Norden, wo sich die Sterne scheinbar um einen Punkt in der Nähe des Polarsterns drehten, und sie stellte sich vor, wie praktisch es wäre, wenn man die Zeit auch in ihrer Sternwarte nach Belieben beschleunigen könnte. Schließlich musste man bei astronomischen Beobachtungen oft stundenlang warten, bis ein interessantes Objekt hoch genug über dem Horizont stand, während man hier einfach ein paar Minuten verstreichen ließ und schon befand sich der gewünschte Stern an der richtigen Stelle.

Als anschließend die bekannten Sternbilder eingezeichnet wurden, begann für Astromaus einer der lustigsten Teile des gesamten Besuchs, denn zwischen den Sternen erschienen nun die vertrauten Figuren des Großen Bären, des Orion und vieler anderer Sternbilder, deren Formen sich die Menschen schon vor sehr langer Zeit ausgedacht hatten. Astromaus wusste natürlich, dass die Sterne eines Sternbildes in Wirklichkeit häufig ganz unterschiedlich weit von der Erde entfernt waren und nur aus unserer Blickrichtung eine gemeinsame Figur bildeten, doch sie fand die Vorstellung ausgesprochen schön, dass Menschen überall auf der Welt Geschichten in den Himmel hineinträumten. Besonders der Große Bär bereitete ihr einige Schwierigkeiten, weil sie in den sieben auffälligen Sternen des Großen Wagens beim besten Willen keinen vollständigen Bären entdecken konnte, obwohl dieser Wagen nur einen Teil des größeren Sternbildes bildete. Astromaus war deshalb überzeugt, dass man mit ein wenig Fantasie auch vollkommen neue Sternbilder erfinden könnte, und begann bereits im Halbdunkel ihres Notizbuchs an einer eigenen Himmelskarte zu arbeiten, auf der neben einem Teleskop, einer kleinen Rakete und einem astronomischen Keks natürlich auch eine Maus und ein Hund ihren festen Platz bekommen sollten. Lou war von dieser Idee durchaus angetan, bestand aber gedanklich darauf, dass wenigstens das Hundesternbild ein wenig größer ausfallen müsste als der astronomische Keks.

Plötzlich veränderte sich die Projektion, und ein riesiger Mond erschien über den Köpfen der Besucher, dessen Kraterlandschaften, dunkle Ebenen und helle Gebirgsregionen so deutlich dargestellt wurden, als würde ein gewaltiges Teleskop direkt auf seine Oberfläche gerichtet sein. Astromaus konnte sich kaum sattsehen, denn obwohl sie den Mond schon unzählige Male beobachtet und fotografiert hatte, war es etwas ganz Besonderes, seine Oberfläche auf einer so großen Kuppel zu betrachten. Anschließend zeigte die Vorstellung, wie die unterschiedlichen Mondphasen entstanden, weil wir von der Erde aus im Laufe eines Monats verschieden große Teile der von der Sonne beleuchteten Mondhälfte sehen konnten. Astromaus fand diese Erklärung besonders wichtig, denn sie hatte schon oft gehört, dass manche Menschen glaubten, die Erde werfe bei jedem Halbmond oder jeder Mondsichel ihren Schatten auf den Mond, obwohl der Erdschatten nur bei einer Mondfinsternis für die Verdunkelung verantwortlich war. Sie stellte sich vor, wie lustig es wäre, wenn der Mond tatsächlich jede Nacht von irgendeinem riesigen kosmischen Wesen angeknabbert würde, und musste bei dem Gedanken an einen gewaltigen Mondkeks so sehr schmunzeln, dass Lou sofort erkannte, in welche Richtung ihre Gedanken wieder einmal gewandert waren.

Danach begann eine aufregende Reise durch unser Sonnensystem, bei der die Besucher zunächst die Erde aus immer größerer Entfernung betrachten konnten, bis unser Heimatplanet schließlich als wunderschöne blaue Kugel im dunklen Weltraum erschien. Anschließend ging es am Mond vorbei zu den anderen Planeten, deren Oberflächen und besonderen Eigenschaften mithilfe von wissenschaftlichen Daten, Bildern und anschaulichen Computerdarstellungen präsentiert wurden. Astromaus war besonders begeistert vom riesigen Jupiter, dessen gewaltige Wolkenbänder und berühmter Großer Roter Fleck in der Projektion eindrucksvoll sichtbar wurden, während Lou vor allem die wunderschönen Ringe des Saturn bewunderte, die aus unzähligen Eis- und Gesteinspartikeln bestanden. Als das virtuelle Raumschiff scheinbar mitten zwischen den Saturnringen hindurchflog, krallte Astromaus ihre kleinen Pfoten so fest in die Armlehnen, dass Lou befürchtete, sie könnte den gesamten Sitz aus seiner Verankerung lösen. Natürlich wusste sie, dass sie sich in Wirklichkeit keinen einzigen Zentimeter durch das Sonnensystem bewegten, doch die Bilder waren so lebendig, dass ihr Bauch für einen kurzen Moment offenbar eine ganz andere Meinung vertrat.

Besonders eindrucksvoll wurde die Vorstellung, als der virtuelle Flug schließlich die äußeren Planeten hinter sich ließ und immer weiter in die dunklen Regionen des Sonnensystems führte, wo das Licht der Sonne zunehmend schwächer erschien. Die Entfernungen wurden so gewaltig, dass Astromaus kaum noch glauben konnte, wie riesig schon unsere unmittelbare kosmische Nachbarschaft war, und sie musste daran denken, dass selbst das Licht der Sonne mehrere Stunden benötigte, um die äußersten bekannten Planetenregionen zu erreichen. Als anschließend die Milchstraße von außen dargestellt wurde, erschien unsere Sonne nur noch als einer von unzähligen Sternen innerhalb einer riesigen Spiralgalaxie, deren Durchmesser ungefähr hunderttausend Lichtjahre betrug. Lou beobachtete die gewaltigen Dimensionen mit großem Interesse, während Astromaus versuchte, sich vorzustellen, wie lange ein richtiges Raumschiff für eine solche Reise benötigen würde. Schließlich gelangte sie zu dem Ergebnis, dass man für einen gewöhnlichen Ferienausflug wohl besser nicht die ganze Milchstraße durchqueren sollte, denn selbst mit einem ausgesprochen schnellen Raumschiff wäre man vermutlich so lange unterwegs, dass die mitgenommenen Kekse bereits bei der Hälfte der Strecke aufgebraucht wären.

Auch eine beeindruckende Sternschnuppe durfte bei dieser Reise natürlich nicht fehlen, und als plötzlich ein heller Lichtstreifen quer über die Kuppel zog, zuckte Astromaus vor Begeisterung zusammen und griff beinahe nach ihrem Notizbuch, um sich sofort die genaue Flugbahn aufzuschreiben. Die Vorführung erklärte, dass Sternschnuppen keine herunterfallenden Sterne waren, sondern Leuchterscheinungen, die entstehen, wenn kleine Körper aus dem Weltraum mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen und dabei die Luft und das Material des Körpers stark erhitzt werden. Astromaus fand es wunderbar, dass selbst ein winziges Staubkörnchen unter den richtigen Bedingungen eine so auffällige Erscheinung am Himmel hervorrufen konnte, und sie beschloss, bei der nächsten klaren Nacht besonders aufmerksam nach echten Sternschnuppen Ausschau zu halten. Als die Vorführung den virtuellen Flug durch den Weltraum schließlich mit einer gewaltigen musikalischen Untermalung begleitete, dachte Lou daran, dass man im luftleeren Weltraum normalerweise keine Geräusche hören konnte, weil sich Schall dort ohne ein geeignetes Medium nicht ausbreitete. Allerdings musste er zugeben, dass eine Reise durch das Universum mit schöner Musik erheblich unterhaltsamer wirkte als ein vollkommen lautloser Film.

Während die Reise immer weiter durch das Universum führte, wurden auf der Kuppel ferne Sternhaufen, leuchtende Gasnebel und schließlich zahlreiche andere Galaxien sichtbar, deren Licht teilweise Millionen oder sogar Milliarden Jahre unterwegs gewesen war, bevor es die Erde erreichte. Astromaus staunte darüber, dass Astronomen beim Blick in große Entfernungen gleichzeitig in die Vergangenheit schauten, denn das Licht konnte schließlich nicht augenblicklich durch den Weltraum reisen, sondern benötigte für jede zurückgelegte Strecke eine bestimmte Zeit. Sie erinnerte sich daran, dass wir unsere Sonne ungefähr so sehen, wie sie vor gut acht Minuten ausgesehen hat, während das Licht mancher weit entfernter Galaxien bereits unterwegs war, als es die Erde in ihrer heutigen Form noch gar nicht gab. Besonders berührte sie der Gedanke, dass Menschen mit ihren Teleskopen und Messinstrumenten immer tiefer in die Geschichte des Universums vordringen konnten, obwohl sie selbst auf einem vergleichsweise winzigen Planeten lebten. Für einen ungewöhnlich langen Augenblick vergaß Astromaus sogar ihre Kekse, ihren Rucksack und sämtliche geplanten Verbesserungen ihrer Sternwarte, während sie einfach nur staunend unter der gewaltigen Kuppel saß und versuchte, die unvorstellbaren Ausmaße des Universums in ihrem kleinen Mäusekopf unterzubringen.

Doch auch die längste Reise musste irgendwann zu Ende gehen, und so näherte sich die virtuelle Darstellung langsam wieder unserer Milchstraße, unserem Sonnensystem und schließlich der Erde, bis die Besucher ihren Heimatplaneten erneut als vertraute blaue Kugel unter sich sehen konnten. Astromaus empfand dabei ein überraschend warmes Gefühl, denn nach all den gewaltigen Sternen, riesigen Galaxien und unvorstellbaren Entfernungen erschien ihr die Erde plötzlich besonders schön und kostbar. Dort gab es Wälder, Berge und Meere, gemütliche Häuser, gute Freunde und natürlich kleine Sternwarten, in denen neugierige Mäuse und kluge Hunde gemeinsam den Himmel erforschen konnten. Als die Projektion schließlich wieder einen gewöhnlichen Nachthimmel zeigte und langsam die Morgendämmerung einsetzte, war Astromaus beinahe ein wenig traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war. Sie hätte ohne Weiteres noch mehrere Stunden unter der Kuppel verbringen können, zumal die Sitze so bequem waren, dass Lou inzwischen den Eindruck gewann, seine Freundin könnte dort ohne größere Schwierigkeiten ein vollständiges astronomisches Forschungsprogramm durchführen.

Als sich das Licht im Planetarium wieder einschaltete, begann Astromaus sofort, den gesamten Vorführraum mit neuen Augen zu betrachten, denn nun interessierte sie nicht mehr ausschließlich das, was sie gerade gesehen hatte, sondern vor allem die Technik, mit der all diese wunderbaren Bilder erzeugt worden waren. Sie betrachtete die riesige Projektionsfläche, die Anordnung der Sitze, die verschiedenen Projektionsgeräte und die sorgfältig geplante Beleuchtung, während Lou bereits ahnte, dass in ihrem Kopf wieder einmal eine jener Ideen entstand, die normalerweise mit einem harmlosen Gedanken begannen und wenige Tage später in einer umfangreichen Einkaufsliste endeten. Besonders faszinierte Astromaus die Tatsache, dass man unter der künstlichen Kuppel nicht nur den Sternenhimmel zeigen, sondern auch komplizierte astronomische Vorgänge anschaulich erklären konnte, ohne auf gutes Wetter warten zu müssen. Selbst wenn draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, konnten die Besucher hier die Ringe des Saturn betrachten, durch die Milchstraße reisen oder beobachten, wie sich die Sternbilder während einer Nacht über den Himmel bewegten. Für Astromaus klang das beinahe zu schön, um wahr zu sein, und sie begann plötzlich, die Abmessungen des Planetariums mit den ihr wohlbekannten Maßen ihrer eigenen Sternwarte zu vergleichen.

Auf dem Weg zum Ausgang kamen die beiden noch an einem kleinen Ausstellungsbereich vorbei, in dem verschiedene Projektionssysteme und Modelle der Planetariumstechnik erklärt wurden. Astromaus blieb dort so lange stehen, dass Lou bereits befürchtete, sie würden die nächsten Familienferien möglicherweise im Foyer des Planetariums verbringen, während seine Freundin besonders interessiert untersuchte, wie die Bilder möglichst verzerrungsarm auf eine gekrümmte Fläche projiziert werden konnten. Sie erfuhr, dass moderne digitale Planetarien häufig besondere Projektionsoptiken und Computerprogramme nutzten, um den Sternenhimmel für unterschiedliche Orte und Zeitpunkte zu berechnen und anschließend auf der Kuppel darzustellen. Manche Systeme verwendeten dafür mehrere Projektoren, deren Bilder genau aufeinander abgestimmt werden mussten, während kleinere Lösungen mit einem einzelnen Projektor und einer speziellen Optik auskamen. Als Astromaus auch noch entdeckte, dass man mit geeigneter Software den Sternenhimmel nahezu beliebig einstellen konnte, musste Lou endgültig feststellen, dass sein bisher ausgesprochen entspannter Ausflug eine unerwartete Wendung nahm.

Draußen vor dem Planetarium hatte der Regen inzwischen aufgehört, und zwischen den Wolken zeigten sich sogar einige kleine blaue Himmelsflecken, doch Astromaus schenkte dem Wetter kaum noch Beachtung, weil sie so tief in ihre Gedanken versunken war, dass sie beinahe an der falschen Autotür eingestiegen wäre. Während der Heimfahrt holte sie ihr Notizbuch hervor, schlug eine neue Seite auf und begann mit einer auffallend sorgfältigen Zeichnung ihrer eigenen Sternwarte. Zunächst skizzierte sie die Kuppel, dann das Teleskop, anschließend die Montierung und schließlich einen kleinen Projektor, den sie mitten im Raum platzierte. Lou beobachtete den entstehenden Entwurf und erkannte sofort, worauf das Ganze hinauslief, denn Astromaus hatte offenbar beschlossen, dass ihre Sternwarte künftig nicht nur eine Sternwarte, sondern gleichzeitig auch ein Planetarium sein sollte. Aus ihrer Sicht war die Überlegung vollkommen logisch, schließlich verfügte sie bereits über eine Kuppel, einen Computer und jede Menge astronomisches Wissen, sodass eigentlich nur noch ein Projektionsgerät, eine geeignete Projektionsfläche und einige gemütliche Sitzgelegenheiten fehlten.

Was Astromaus bei dieser ersten Begeisterung allerdings noch nicht ausreichend berücksichtigt hatte, war die Tatsache, dass eine Sternwartenkuppel nicht automatisch auch eine gute Planetariumskuppel war. Während die äußere Kuppel ihrer Sternwarte in erster Linie das Teleskop vor Wind und Wetter schützte und sich mit einem Beobachtungsspalt öffnen ließ, benötigte ein Planetarium eine möglichst gleichmäßige, helle und für Projektionen geeignete Innenfläche, auf der Sterne und andere Himmelsobjekte gut sichtbar dargestellt werden konnten. Außerdem durfte das Licht von draußen die Vorführung nicht stören, und auch das große Teleskop samt seiner Montierung stand einer freien Sicht auf die gesamte Kuppel durchaus im Weg. Lou machte sich deshalb daran, die Zeichnung seiner Freundin um einige wichtige Hinweise zu ergänzen, wobei Astromaus zunächst etwas enttäuscht war, dass ein Planetarium offenbar doch nicht ganz so einfach entstand, wie man einen Lampenschirm über eine Glühbirne setzte. Andererseits kannte Lou seine Freundin gut genug, um zu wissen, dass technische Schwierigkeiten für sie keinesfalls ein Grund waren, eine Idee aufzugeben, sondern höchstens eine Gelegenheit, noch mehr Notizen anzufertigen.

Schon am nächsten Tag begann deshalb die große Untersuchung der heimischen Sternwarte, wobei Astromaus mit einem Maßband, einem Notizblock und einer geradezu unerschütterlichen Begeisterung erschien, während Lou vorsichtshalber einen Bleistift, einen Taschenrechner und ein paar Kekse mitbrachte. Gemeinsam überprüften sie den verfügbaren Platz, maßen den Durchmesser der Kuppel und überlegten, ob man im Inneren eine leichte, abnehmbare Projektionsfläche anbringen könnte, ohne die eigentliche Sternwartentechnik zu beschädigen. Besonders wichtig war dabei, dass die Kuppel auch weiterhin ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllen sollte, denn Astromaus wollte schließlich keinesfalls auf die Beobachtung des echten Sternenhimmels verzichten. Die Idee bestand deshalb darin, die Sternwarte bei schlechtem Wetter vorübergehend in ein kleines Planetarium zu verwandeln und die zusätzlichen Teile bei klarem Himmel wieder zu entfernen oder sicher zur Seite zu bringen. Astromaus gefiel dieser Gedanke ausgesprochen gut, weil sie auf diese Weise gewissermaßen zwei astronomische Einrichtungen zum Preis von einer erhalten würde, wobei Lou vorsichtshalber darauf hinwies, dass man über den tatsächlichen Preis erst sprechen sollte, wenn die Einkaufsliste fertig war.

Die ersten Versuche verliefen allerdings nicht ganz so erfolgreich, wie Astromaus es sich vorgestellt hatte, denn ihre spontane Idee, eine große weiße Stoffbahn unter der Kuppel aufzuspannen, führte zunächst dazu, dass die gesamte Sternwarte aussah wie eine Mischung aus einem astronomischen Forschungslabor und einem etwas unordentlich aufgebauten Zirkuszelt. Besonders schwierig war es, den Stoff so zu befestigen, dass er eine einigermaßen gleichmäßige Rundung bildete, denn überall dort, wo Falten entstanden, wurden später auch die projizierten Sterne verzerrt dargestellt. Bei einer ersten Probe mit einem gewöhnlichen Videoprojektor erschien der Große Wagen deshalb nicht in seiner vertrauten Form, sondern erinnerte eher an einen etwas verbogenen Einkaufswagen, der offenbar auf seiner Reise durch das Universum mehrere Zusammenstöße überstanden hatte. Astromaus fand das Ergebnis zunächst ausgesprochen komisch und erklärte die ungewöhnliche Form kurzerhand zu einem neuen Sternbild, während Lou bereits daran arbeitete, die Falten zu beseitigen und den Projektor besser auszurichten. Es dauerte eine ganze Weile, bis beide verstanden hatten, wie wichtig nicht nur die richtige Software, sondern auch eine geeignete Optik und eine möglichst gleichmäßige Projektionsfläche waren.

Noch lustiger wurde es, als Astromaus unbedingt ausprobieren wollte, ob man den Sternenhimmel auch auf die Innenseite eines aufgespannten weißen Sonnenschirms projizieren konnte, den sie kurzerhand aus dem Garten herbeigeschafft hatte. Der Schirm war zwar rund und einigermaßen hell, besaß aber zahlreiche Streben, die quer durch die projizierten Sternbilder verliefen und den Himmel so aussehen ließen, als hätte jemand das Universum in einzelne Kuchenstücke aufgeteilt. Lou betrachtete das Ergebnis und musste so herzlich lachen, dass Astromaus schließlich ebenfalls in ein begeistertes Kichern ausbrach. Besonders die Milchstraße wirkte auf dem Sonnenschirm ausgesprochen ungewöhnlich, denn sie verlief mitten über eine der Streben und erinnerte dadurch entfernt an eine riesige kosmische Wäscheleine. Astromaus musste zugeben, dass diese Konstruktion für ein richtiges Planetarium vielleicht noch nicht vollkommen ausgereift war, aber wenigstens hatten die beiden an diesem Nachmittag eine Menge Spaß gehabt und gleichzeitig gelernt, warum die Form und Beschaffenheit einer Projektionskuppel so entscheidend waren.

Nach einigen weiteren Überlegungen entschieden sie sich schließlich für einen vernünftigeren Weg, denn anstatt sofort die gesamte Sternwarte umzubauen, wollten sie zunächst ein kleines, vorübergehendes Projektionssystem ausprobieren, das sich später schrittweise verbessern ließ. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit geeigneter Planetariumssoftware, informierten sich über spezielle Projektionsoptiken und entwickelten einen Plan für eine leichte, abnehmbare Innenverkleidung, die weder das Teleskop noch die beweglichen Teile der Kuppel behindern durfte. Lou achtete darauf, dass ausreichend Platz zum Bewegen blieb, die elektrischen Geräte sicher aufgestellt wurden und die Sternwarte weiterhin gut belüftet werden konnte, während Astromaus vor allem davon träumte, eines Tages ihre Familie und vielleicht sogar andere Kinder zu einer eigenen kleinen Planetariumsvorstellung einzuladen. Besonders gefiel ihr der Gedanke, dass sie dann nicht nur fertige Bilder zeigen, sondern auch selbst erklären könnte, warum die Sterne scheinbar über den Himmel wanderten, wie die Mondphasen entstanden und weshalb manche Planeten am Himmel heller erschienen als andere. Schließlich verfügten Astromaus und Lou inzwischen über eine ganze Menge astronomisches Wissen, das viel zu schade war, um es ausschließlich in ihren eigenen Notizbüchern aufzubewahren.

Als sie einige Tage später ihre ersten brauchbaren Projektionen vorführten, war die Begeisterung groß, obwohl die kleine Sternwarte natürlich noch lange nicht mit dem gewaltigen Planetarium vergleichbar war, das sie besucht hatten. Die provisorische Projektionsfläche zeigte nun einen kleinen künstlichen Sternenhimmel, auf dem sich verschiedene Sternbilder erkennen ließen, und Astromaus konnte mithilfe des Computers sogar die scheinbare Bewegung der Sterne beschleunigen. Lou bediente die Technik, während Astromaus voller Begeisterung die Zusammenhänge erklärte und immer wieder neue Dinge zeigen wollte, bis sie beinahe schneller durch die astronomischen Themen sprang, als der Computer die Bilder wechseln konnte. Besonders lustig wurde es, als sie den Sternenhimmel versehentlich auf einen Zeitpunkt einstellte, an dem die Sonne noch über dem Horizont stand, und plötzlich eine helle Tagesansicht auf ihrer Projektionsfläche erschien. Astromaus betrachtete den künstlichen Tag mit einiger Empörung, denn nach so vielen Regentagen hätte sie wenigstens von ihrem eigenen Planetarium erwarten dürfen, dass dort jederzeit ein wunderschöner Sternenhimmel herrschte.

Trotz aller kleinen Schwierigkeiten war Astromaus unglaublich glücklich, denn aus einer zunächst völlig verrückten Idee war nach und nach ein richtiges kleines Projekt geworden, bei dem sie und Lou wieder einmal hervorragend zusammengearbeitet hatten. Während Astromaus unermüdlich neue Möglichkeiten entdeckte und immer größere Pläne schmiedete, sorgte Lou mit seiner ruhigen und überlegten Art dafür, dass aus diesen Ideen auch etwas Brauchbares entstand. Dabei hatten die beiden festgestellt, dass es überhaupt nicht schlimm war, wenn etwas beim ersten Versuch nicht funktionierte, solange man gemeinsam nach einer besseren Lösung suchte und dabei nicht den Spaß an der Sache verlor. Sie hatten gelernt, dass Wissenschaft und Technik nicht nur aus fertigen Geräten und richtigen Antworten bestanden, sondern ebenso aus Neugier, Ausprobieren, kleinen Fehlern und manchmal ausgesprochen komischen Missgeschicken. Vor allem aber hatten sie wieder einmal erlebt, dass zwei Freunde gemeinsam viel mehr erreichen konnten, als wenn jeder allein vor einer schwierigen Aufgabe stand, und dass selbst eine scheinbar unmögliche Idee plötzlich ganz vernünftig wirken konnte, wenn man sie Schritt für Schritt untersuchte.

Am schönsten fand Astromaus jedoch, dass ihre Sternwarte nun vielleicht auch an jenen Abenden genutzt werden konnte, an denen draußen Wolken den Blick auf die echten Sterne versperrten. Sie stellte sich vor, wie Kinder und Erwachsene gemeinsam unter ihrer kleinen Kuppel sitzen würden, während über ihnen die Sternbilder erschienen und Lou erklärte, weshalb der Polarstern für die Orientierung am Nachthimmel so hilfreich war. Anschließend könnten sie die Planeten besuchen, die Milchstraße betrachten und vielleicht sogar eine virtuelle Reise zu einer fernen Galaxie unternehmen, bevor sie bei gutem Wetter gemeinsam nach draußen gingen, um den wirklichen Himmel mit eigenen Augen zu beobachten. Astromaus gefiel dieser Gedanke ganz besonders, denn sie war überzeugt, dass ein Planetarium zwar niemals das Erlebnis einer echten sternenklaren Nacht ersetzen konnte, den Menschen aber helfen würde, das Universum besser zu verstehen und anschließend mit noch größerer Begeisterung zu den Sternen aufzuschauen. Vielleicht würde das kleine Planetarium sogar bei dem einen oder anderen Kind den Wunsch wecken, später selbst ein Teleskop zu besitzen oder eines Tages Astronomin beziehungsweise Astronom zu werden.

Natürlich musste das neue Projekt auch einen passenden Namen bekommen, und darüber machte sich Astromaus mindestens ebenso viele Gedanken wie über die technische Ausstattung. Ein gewöhnlicher Name erschien ihr viel zu langweilig, schließlich handelte es sich nicht einfach um irgendeine Sternwarte, sondern um eine Einrichtung, in der man sowohl den echten Sternenhimmel beobachten als auch aufregende virtuelle Reisen durch das Universum unternehmen konnte. Zunächst überlegte sie, ob sie ihre Sternwarte künftig als astronomisches Forschungs-, Beobachtungs- und Planetariumszentrum bezeichnen sollte, doch Lou fand, dass ein solcher Name vermutlich schon deshalb unpraktisch wäre, weil kaum jemand ihn vollständig aussprechen konnte, ohne zwischendurch Luft holen zu müssen. Schließlich entstand ein viel einfacherer Vorschlag, der beiden sofort gefiel und den Astromaus noch am selben Abend sorgfältig auf ein großes Blatt Papier schrieb, das später einmal am Eingang der Sternwarte hängen sollte.

ASTROMAUS & LOU – STERNWARTE UND MINI-PLANETARIUM

Darunter wollte Astromaus eine kleine Zeichnung anbringen, auf der die beiden gemeinsam durch ein Teleskop schauten, während über ihnen die Milchstraße leuchtete. Besonders wichtig war ihr ein zusätzlicher Hinweis, der zukünftigen Besuchern erklären sollte, dass bei klarem Himmel die echten Sterne beobachtet wurden und bei schlechtem Wetter das kleine Planetarium zum Einsatz kam. Lou fand diesen Plan ausgezeichnet, denn damit würde man selbst an einem vollständig bewölkten Abend noch etwas über das Universum entdecken können, ohne dass Astromaus jedes Mal verzweifelt nach ihrem berühmten Wolkenschieber suchen musste. Für einen kurzen Augenblick schien es tatsächlich so, als wäre nun alles perfekt, und beide betrachteten zufrieden ihre kleine Sternwarte, die mit ein wenig Erfindergeist und jeder Menge gemeinsamer Arbeit eine völlig neue Aufgabe bekommen hatte.

Doch wie wir Astromaus inzwischen kennen, dauerte dieser friedliche Augenblick nicht besonders lange, denn kaum hatte sie das neue Schild fertig gezeichnet, begann sie bereits über weitere Verbesserungen nachzudenken. Wenn sie schon ein Planetarium besaßen, dann brauchten sie selbstverständlich auch ein richtiges Programm, bequeme Sitze, eine kleine Ausstellung und vielleicht sogar Eintrittskarten mit ihrem eigenen Logo. Außerdem könnte man spezielle Vorstellungen über den Mond, die Planeten oder die Milchstraße veranstalten, und irgendwann wäre möglicherweise auch eine kleine Vortragsreihe über die Wunder des Universums denkbar. Lou hörte sich die wachsenden Pläne aufmerksam an und fragte sich insgeheim, wie viele Besucher man wohl in ihrer kleinen Sternwarte unterbringen konnte, bevor selbst die Mäuse und Hunde auf den letzten freien Zentimetern sitzen mussten. Besonders kritisch wurde er allerdings, als Astromaus begann, den Garten erneut auszumessen und dabei auffallend interessiert die freie Fläche neben der Sternwarte betrachtete.

Dort, wo bisher nur ein kleiner Rasenstreifen, ein paar Blumen und eine gemütliche Bank standen, sah Astromaus in ihrer Vorstellung nämlich bereits ein viel größeres Gebäude mit einer prächtigen Kuppel, einem eigenen Vorführraum und einer Reihe besonders bequemer Planetariumssessel. Vielleicht würde man eines Tages sogar zwei Kuppeln benötigen, eine für die richtigen Teleskope und die andere ausschließlich für die Projektion des Sternenhimmels, wobei Lou inzwischen sehr genau wusste, dass bei Astromaus zwischen einer kleinen Idee und einem umfangreichen Bauprojekt meistens nur ein einziges Wochenende lag. Als sie schließlich mit einem neuen Maßband, einer großen Zeichnung und dem ausgesprochen zufriedenen Gesichtsausdruck einer Erfinderin aus der Sternwarte kam, die gerade das größte Problem der Menschheit gelöst hatte, ahnte Lou bereits, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende war. Besonders misstrauisch betrachtete er die neue Überschrift auf ihrem Notizblock, denn dort stand in großen Buchstaben: „Astromaus & Lou – Das große Planetarium. Bauabschnitt 1.“

Am Abend zogen die Wolken endlich auseinander, und über der kleinen Sternwarte erschien zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder ein wunderschöner, klarer Sternenhimmel. Astromaus und Lou öffneten gemeinsam die Kuppel, richteten ihr Teleskop auf den Himmel und freuten sich darüber, dass sie nach all den künstlichen Sternen nun wieder das wirkliche Licht ferner Himmelskörper beobachten konnten. Die Sterne funkelten ruhig über ihnen, der Mond stand als schmale Sichel am Horizont, und irgendwo in der Ferne zog ein Flugzeug mit blinkenden Lichtern über den Himmel. Astromaus dachte noch einmal an ihren Besuch im Planetarium, an die riesige Kuppel, die aufregenden Reisen durch das Sonnensystem und die vielen wunderbaren Dinge, die sie dort gesehen hatten, und sie war sich sicher, dass dieser Ausflug zu den schönsten Erlebnissen der letzten Zeit gehörte. Besonders glücklich machte sie jedoch die Erkenntnis, dass man die Schönheit des Universums auf ganz unterschiedliche Weise entdecken konnte, sei es mit einem großen Teleskop, in einem modernen Planetarium, mit einer kleinen Sternkarte oder einfach nur mit den eigenen Augen.

Lou saß zufrieden neben ihr und betrachtete die Sterne, während Astromaus bereits wieder ihre nächste Zeichnung hervorholte, auf der inzwischen nicht nur die bisherige Sternwarte und das geplante Planetarium eingezeichnet waren, sondern auch ein kleiner Verbindungsgang zwischen beiden Gebäuden. Vermutlich, so dachte Lou, würde seine Freundin eines Tages noch ein vollständiges astronomisches Forschungszentrum errichten, wenn man ihr nur genügend Papier, einen Bleistift und einen möglichst großen Garten zur Verfügung stellte. Trotzdem musste er lächeln, denn genau diese unerschöpfliche Begeisterung machte Astromaus so besonders, und ohne ihre manchmal ziemlich verrückten Ideen hätten sie gemeinsam längst nicht so viele wunderbare Abenteuer erlebt. Während sie nebeneinander in den Himmel schauten, wurde ihnen beiden noch einmal bewusst, wie schön es war, nicht nur die gleichen Interessen zu teilen, sondern sich gegenseitig zu unterstützen, voneinander zu lernen und gemeinsam über die kleinen und großen Überraschungen des Lebens zu lachen.

Als es schließlich Zeit wurde, die Sternwarte zu schließen, war Astromaus ungewöhnlich zufrieden, obwohl sie an diesem Abend längst nicht alle Himmelsobjekte beobachtet hatte, die ursprünglich auf ihrer Liste gestanden hatten. Sie hatte etwas viel Wichtigeres entdeckt, nämlich dass man seine Begeisterung für die Sterne nicht nur selbst genießen, sondern auch mit anderen Menschen teilen konnte, und dass ein Planetarium dafür ein wunderbarer Ort war. Während Lou die letzten Geräte ausschaltete und sorgfältig die Schutzkappen auf die Teleskope setzte, betrachtete Astromaus noch einmal ihre neue Planungsskizze und beschloss, dass sie am nächsten Morgen unbedingt damit beginnen musste, die verschiedenen Möglichkeiten für eine größere Planetariumskuppel zu untersuchen. Dass sie dafür möglicherweise zunächst den halben Garten umgestalten müsste, erschien ihr als eine vollkommen nebensächliche Angelegenheit, denn schließlich ging es hier nicht um irgendeinen gewöhnlichen Anbau, sondern um ein wissenschaftliches Projekt von geradezu galaktischer Bedeutung.

Und so endete ein wunderschöner Tag, an dem Astromaus und Lou nicht nur eine Reise durch das Universum unternommen, sondern auch gelernt hatten, dass die größten Abenteuer manchmal direkt vor der eigenen Haustür beginnen konnten. Ihre kleine Sternwarte wartete bereits auf die nächsten Entdeckungen, der neue Planetariumsplan lag ordentlich auf dem Schreibtisch, und während draußen die Sterne über den nächtlichen Himmel wanderten, träumte Astromaus schon von einer riesigen Kuppel voller Kinder, die begeistert zu den Sternen hinaufschauten.

Lou hingegen träumte in dieser Nacht von einer ausgesprochen wichtigen Erfindung, die seiner Meinung nach in keiner astronomischen Einrichtung fehlen durfte: einem vollautomatischen Keksspender, der seine kleinen Köstlichkeiten vollkommen geräuschlos verteilte, damit niemand während einer Planetariumsvorstellung gestört wurde.

Denn eines hatte Lou an diesem Tag ganz sicher gelernt: Wenn Astromaus erst einmal ein eigenes Planetarium besaß, würde sie so schnell nicht mehr nach Hause gehen wollen.

Und irgendjemand musste schließlich dafür sorgen, dass die begeisterte kleine Astronomin zwischendurch auch einmal etwas zu essen bekam.

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